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3 Monate Kamerun – ein Erlebnisbericht von Isabella Anders

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„Ich habe drei Monate für die Deutsche Kamerun-Hilfe in Yaoundé als Schreinerin gearbeitet.“  – Ein Erfahrungsbericht

 „Ich bin von Beruf Schreinermeisterin und hatte aus einer Fachzeitschrift für Schreiner von den Projekten des Deutsche Kamerun-Hilfe e.V. erfahren. Eines dieser Projekte ist der Auf- und Ausbau einer Schreinerei für die Ausbildung von Schreinern in Kamerun. Für dieses Projekt suchte die Deutsche Kamerun-Hilfe Fachleute, insbesondere Schreiner, die sich dafür interessierten, Land und Leute in Kamerun kennenzulernen und dabei auch noch etwas für die Ausbildung der Menschen in Kamerun zu tun. Nach einiger Überlegung, ob ich mir das zutrauen konnte, habe ich mich einfach bei der Ansprechpartnerin bei der Deutschen Kamerun-Hilfe gemeldet und mich über die Einzelheiten informiert. Da es sich um einen gemeinnützigen Verein handelt, der seine sämtlichen Einkünfte, die im Wesentlichen aus Spenden bestehen, direkt den Projekten zuführt, sind die Bedingungen nicht gerade luxuriös, aber, wie sich später herausstellte, durchaus akzeptabel. Insbesondere die freundlichen Menschen in Kamerun und ihre Dankbarkeit entschädigen schnell für die nicht immer perfekten Umstände, hin und wieder fällt z.B. der Strom oder das Wasser aus.

Als ich in Yaoundé am Flughafen nach einem 7-stündigen Flug von Frankfurt ankam, wurde ich schon von Helfern der Assistance Germano Camerounaise (AGC), wie sich die Deutsche Kamerun-Hilfe vor Ort nennt, erwartet und zu meiner Unterkunft gebracht. Zum Glück spreche ich ein bisschen Französisch, denn das konnte ich nun in dem Land, in dem überwiegend Französisch gesprochen wird, gut gebrauchen.

Direkt am nächsten Tag wurde ich dort abgeholt und zum Ausbildungszentrum begleitet, das wir bequem zu Fuß erreichen konnten. Einen wesentlichen Teil des Gebäudes nehmen die Schreinerwerkstatt und die Nähschule in Anspruch. Für mich war natürlich die Schreinerei besonders interessant. Sie ist mit zum Teil sehr alten Maschinen ausgestattet, die ihren Weg als  Sachspenden von Deutschland nach Kamerun gefunden haben. Die meisten davon waren einsetzbar, einige jedoch bedurften einer mehr oder weniger großen Reparatur oder zumindest einer Wartung. Aber grundsätzlich waren sie einsatzbereit und konnten für die Ausübung des Schreinerhandwerks verwendet werden. Sehr schnell stellte ich jedoch fest, dass es an der Organisation der Schreinerei, der Anordnung der Maschinen und Werkzeuge, haperte. Z.B. wurden Werkzeuge und Hilfsmittel, wie Nägel und Schrauben, im oberen Stockwerk unter Verschluss aufbewahrt, um sie sicherer vor Diebstahl zu schützen. Dies hatte jedoch zur Folge, dass man für alle möglichen Kleinigkeiten jeweils von der Schreinerei in das obere Stockwerk laufen musste; dies war – vor allem bei der Hitze – sehr anstrengend und natürlich zeitaufwändig. Also begannen wir, ein paar interessierte Kameruner und ich, mit der Herstellung eines abschließbaren Werkzeugkastens und eines ebenfalls abschließbaren Werkzeugschranks.

Werkzeugschrank

Der neue Werkzeugschrank ist fertig!

Als zweites stellten wir fest, dass einige der Werkzeuge nicht mehr richtig genutzt werden konnten, da die Griffe kaputt waren oder gänzlich fehlten. Also begannen wir mit der Herstellung von Griffen für Feilen und andere Werkzeuge. Dabei entstanden Einzelstücke, die in Deutschland unbezahlbar wären! In Kamerun muss man eben manchmal improvisieren, da es hier nicht so einfach ist wie bei uns, in einem Baumarkt alles schnell und zu guten Preisen zu besorgen:

Ein neuer Griff1Ein neuer Griff2Ein neuer Griff3Ein neuer Griff4

Unsere nächste Aufgabe war es, drei Gästezimmer und einen Aufenthaltsraums in dem Haus der Assistance Germano Camerounaise auszugestalten. Diese Zimmer sollen später deutschen Handwerkern und anderen Helfern als Wohnraum dienen. So können die Aufenthaltskosten geringer gehalten werden und es steht mehr Geld für den Aufbau der Projekte zur Verfügung zu. Hier mussten wir Schränke und andere Möbel zu bauen und Decken und Wände mit Holz zu verkleiden. Diese Arbeit machte insbesondere meinen kamerunischen Kollegen viel Spaß, da sie hier jeden Tag sehen konnten, wie unter ihren Händen Neues entstand!

Deckenbau1 Deckenbau

Diese Arbeit mussten wird jedoch plötzlich unterbrechen, als ein Familienmitglied eines Mitarbeiters der Organisation verstarb und wir einen Sarg anfertigen mussten. Hinterher habe ich an der Beerdigungszeremonie teilgenommen und habe dabei wieder etwas von dem täglichen Leben der Menschen in dem Land kennengelernt. Die Zeremonie wurde mit Trommeln, Gesang und Tanz begleitet – eine Erfahrung, die man nicht alle Tage macht.

Sargbau

Auch das gehört zum Leben

Danach ging es weiter mit dem Ausbauprojekt. Leider war die Zeit zu knapp und ich konnte nicht alle Aufgaben zu Ende bringen, die sich bei dem Auf- und Ausbau der Schreinerei und den Räumen der Assistance Germano Camerounaise ergeben, aber ich hoffe, dass ich meinen Anteil zum Aufbau des Schreinerausbildungsbetriebs leisten konnte. Ich hoffe sehr, dass in der nächsten Zeit viele Kameruner in diesem Betrieb eine handwerkliche Ausbildung erfahren werden und sich danach eine eigene Existenz in Kamerun aufbauen können. Für mich war es sehr wichtig zu sehen, wie die Menschen in Kamerun leben. Neben viel Armut gibt es aber auch viel normales Leben und viel Lebensfreude bei den Menschen. Ich habe erfahren, dass für uns einfache Besorgungen, wie z.B. der Gang zum Baumarkt und der Kauf von einfachen Materialien, in Kamerun zum Teil zu tagefüllenden Ereignissen werden; Dachlatten z.B. werden nicht einfach gekauft, sondern es werden Bretter beschafft, die zu Dachlatten bearbeitet werden. Fehlende Ersatzteile und defekte Werkzeuge können nicht einfach gekauft werden, sondern es ist häufig viel Improvisationstalent gefordert, um aus dem Vorhandenen etwas herzustellen, was die weitere Verwendung einer Maschine ermöglicht. Besonders berührt hat mich die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen, die ich kennengelernt und mit denen ich zusammengearbeitet habe.

Abschied4Abschied3

Zum Abschied gab es noch eine Überraschung: Alle Menschen, mit denen ich während meiner Zeit in Yaoundé zusammengearbeitet hatte, haben für mich ein kleines Fest veranstaltet: wir haben zusammen gegessen, über die Erfahrungen der vergangenen 3 Monate geredet und gemeinsam über lustige Erlebnisse gelacht. Ich kann nur jedem, der sich für solche Länder wie Kamerun und ihre Menschen interessiert, raten, sich einfach einmal für ein paar Wochen für ein solches Hilfsprojekt anzumelden, es eröffnet einem viele neue Perspektiven und Sichtweisen – auch auf das eigene Leben“.

Wir bleiben in Kontakt!

Wir bleiben in Kontakt!

Tschüss - bis bald!

Tschüss – bis bald!

 

 

 

 

 

 

 

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